Gewinde

Ein Gewinde ist, rein technisch ausgedrückt, eine "um einen Zylinder gleichförmig gewundene schiefe Ebene".  Dieses Gewinde ermöglicht ein Ein- und Ausschrauben und damit ein Befestigen durch Schrauben. Dabei gibt es unterschiedliche Gewinde. Zum einen die metrischen Gewinde, die mit einem passenden Gegenstück (Mutter oder Bohrloch mit passendem Gewinde). Hauptmerkmal ist hier ein gleichmäßiges Gewinde was ein und wieder Ausschrauben ermöglicht. Darüber hinaus gibt es noch Gewinde für Holz oder Blech. Diese nutzen das Material, in das sie eingedreht werden, und nicht eine Mutter, als Gegenstück und erzeugen sich ihr Gewinde quasi selbst. Dadurch benötigen sie keine Mutter. Je nach Ausführung kann eine erneute Montage sich als schwierig gestalten. Bei den metrischen Gewinden müssen vor allem Schraubengewinde und Mutterngewinde zueinanderpassen. Da es aber unterschiedlichste Ausführungen gibt, ist das manchmal gar nicht so einfach. Daher soll es im Folgenden ausschließlich um Schrauben mit metrischem Gewinde gehen.


Arten von Gewinden:

Hier eine Übersicht über die am gebräuchlichsten Gewinde.

Metrisches ISO-Gewinde / Spitzgewinde

Ein weltweit standarisiertes Gewinde, das sich am metrischen System orientiert. Da dieses System in nahezu allen Ländern (Ausnahmen Liberia, Myanmar und die USA) als Standard gilt wird dieses Gewinde überall eingesetzt. Es ist eine Verbesserung des früheren metrischen Gewindes, kann aber in den meisten Fällen problemlos gegen eben dieses ausgetauscht werden. Das metrische ISO-Gewinde ist auch unter den Namen Regelgewinde, Normalgewinde oder auch Spitzgewinde bekannt.
Schaut man sich das Profil des Gewindes an, erkennt man, dass die Außenkanten keilförmig aufeinander zulaufen, daher auch der Name Spitzgewinde. Der Flankenwinkel bei einem metrischen ISO-Gewinde beträgt 60°. Bei der Bezeichnung erkennt man ein metrisches ISO-Gewinde am vorstehenden "M". So wird der Durchmesser bei Muttern als beispielsweise M8 angegeben, bei Schrauben als beispielsweise M8x30.
Spitzgewinde gibt es als Normalgewinde oder aber auch als Feingewinde. Nähere Informationen dazu gibt es weiter unten unter dem Punkt "Steigung".

 

Trapezgewinde

Bei einem Trapezgewinde haben die Gewindegänge die Form eines gleichschenkligen Trapezes. Außerdem sind die Gewindegänge dicker als bei einem Spitzgewinde. Dadurch ergeben sich auch höhere Steigungen. Durch die dickeren Gewindegänge wird ein Abscheren des Gewindes erst nach viel größerem Kraftaufwand als bei einem Normalgewinde zur Gefahr. Daher eignen sich diese Gewinde auch hervorragend zum Übertragen von axialen Kräften. Daher werden sie oft bei Schraubstöcken oder auch Drehmaschinen eingesetzt. Das Trapezgewinde gibt es auch als Feingewinde.

Whitworth-Gewinde

Dieses Gewinde wird heutzutage vor allem bei Rohrverbindungen eingesetzt, was ihm den Namen Rohrgewinde einbrachte. Das Profil sieht ähnlich dem eines Spitzgewindes aus, besitzt aber einen Flankenwinkel von 55° und ist daher nicht kompatibel. Auch das Rohrgewinde ist als Feingewinde erhältlich. Allerdings unterscheidet sich die Art der Messung vom metrischen bzw. Trapezgewinde. Mehr dazu unter dem Punkt Steigung.

 

 
Begriffserklärung:


Außengewinde

Wird auch Bolzengewinde genannt. Wie der Name vermuten lässt, ist dieses Gewinde an der Außenseite von Schrauben und Bolzen angebracht. Sein Gegenstück ist das Innengewinde.

Innengewinde

Auch Mutterngewinde genannt. An Muttern zu finden und das Gegenstück zum Außengewinde.

Vollgewinde

Bei einem Vollgewinde reicht das Gewinde von der Schraubenspitze bis zum Schraubenkopf.

Teilgewinde

Bei einem Teilgewinde reicht das Teilgewinde nur bis zu einem bestimmten Teil der Schraube. Dieser Teil ist in der zugehörigen DIN verankert und daher von DIN zu DIN unterschiedlich.

Drehrichtung

Natürlich unterschieden sich Gewinde auch in der Drehrichtung. Es gibt sowohl rechtsdrehende als auch Linksdrehende. Diese sind natürlich nicht kompatibel.

Rechtsgewinde

Schaut man in einer Seitenansicht auf ein Rechtsgewinde steigt dieses von links nach rechts an. Daher drehen sich Schraube und Mutter im Uhrzeigersinn ineinander. Rechtsgewinde sind mit Abstand weiter verbreitet als Linksgewinde. Die hat vor allem ergonomische Gründe. Die Mehrheit der Leute sind Rechtshänder und können daher bei Drehungen im Uhrzeigersinn größere Kraft aufbringen.

 

Linksgewinde

Schaut man in einer Profilansicht auf ein Linksgewinde steigt dieses von rechts nach links an. Diese sind nicht so weit verbreitet wie Rechtsgewinde, finden aber dennoch in manchen Gebieten Anwendung. Zum einen werden linksdrehende Schrauben benutzt wenn durch die Belastung (Rotation) bei einer rechtsdrehenden Verbindung die Gefahr des Lösens bestehen würde. Das ist beispielsweise bei Fahrradpedalen, den Haltemuttern eines Ventilators oder dem Spannfutter von Bohrmaschinen der Fall. Ein weiteres Einsatzgebiet sind Spannschlösser, bei denen man eine gegendrehende Mechanik benötigt um das Spannen und Lösen zu gewährleisten. Auch bei Gasflaschen werden teilweise Linksgewinde eingesetzt. Dort aber aus dem Grund um Verwechslungen zu vermeiden.

 

 

Steigung

Bei metrischen Gewinden bezeichnet die Steigung den Weg, der bei einer Umdrehung zurückgelegt wird. Das entspricht dem Abstand zwischen 2 Gewindespitzen in mm (früher auch als Ganghöhe bezeichnet).

Bei Feingewinden ist eben diese Steigung ein Großer unterschied und wird auch zur Unterscheidung als Kennzeichen genutzt. Feingewinde besitzen eine höhere Belastbarkeit als Regelgewinde, auch dank ihres größeren Kerndurchmessers. Zusätzlich ist auch die Selbsthemmung besser als bei Regelgewinden, da eine geringere Steigung vorhanden ist. Im Folgenden eine Tabelle die Steigung und Kernloch vom Regelgewinde mit denen des Feingewindes vergleicht

 

  Regelgewinde  Feingewinde
 Gewinde Steigung in mm  Kernloch in mm  Steigung in mm Kernloch in mm
M6 1 5 0,75 5,2
M8 1,25 6,8 0,75 7,2
       1 7
 M10 1,5 8,5  0,75 9,2
       1 9
      1,5 8,8
 M12  1,75 10,2 1 11
      1,25 10,8
      1,5 10,5
 M16  2 14 1 15
      1,5 14,5
 M20  2,5  17,5 1 19
      1,5 18,5
      2 18
 M24  3 21 1 23
      1,5 22,5
       2 22
 M30 3,5 26,5 1  29
      1,5  28,5
      2  28

 

 Wie man sieht, ist die Steigung bei metrischen Schrauben auch ein Stück weit vom Durchmesser abhängig. Bei Feingewindeschrauben hingegen wird das Gewinde auf eine bestimmte Steigung gebracht. Daher sind hier auch Steigungen über 2 eine Seltenheit. Steigungen mit höheren Werten hängen zumeist mit Zollgewinden zusammen. Hier wird allerdings die Anzahl von Gewindegängen auf einer Strecke von 1 Zoll.

Zurück nach oben